17.09.2010

Kratzer im Glas können schnell gefährlich werden

Die Glasscheiben eines Automobils oder eines Gebäudes sind häufig anfällig für Kratzer und ähnliche Schäden, da sie zumindestens einseitig der freien Umgebung ausgesetzt sind. Diese Kratzer können auch gefährlich sein.

Viele Glasscheiben erfüllen eine optische und eine tragende Funktion. Kratzer auf einer Scheibe können die Funktionstüchtigkeit in beiderlei Hinsicht verschlechtern. Glas ist vollkommen lichtdurchlässig, aber es gibt einen Lichteinstrahlwinkel auf der Glasoberfläche, nach dessen Unterschreiten das auf die Glasscheibe einfallende Licht vollkommen reflektiert wird. Diese Spiegelung sieht man bei einem herkömmlichen Kratzer. Dadurch weicht die Oberfläche in der Kerbe des Kratzers von der ebenen Glasfläche ab, daher bricht und reflektiert sich das Licht im Kratzer anders als auf der übrigen Fläche. Diese Störung schwächt die optische Gesamterscheinung und Ästhetik der Glasscheibe, aber es gibt auch mechanische Nachteile, die ein Kratzer verursacht.

Auf einer Oberfläche werden Normalspannungen durch Tragfunktionen der Scheibe vollkommen symmetrisch und gleichmäßig verteilt. Ein Kratzer verursacht auf der Scheibe aber eine Kerbwirkung. Durch die Abweichung der Oberfläche von der Ebene im Kerbgrund des Kratzers entstehen zu den Normalspannungen auf der Scheibe zusätzliche Spannungen, die in abweichende Richtungen wirken. Diese Spannungen sind häufig nicht zu vernachlässigen und in der Regel größer, je schärfer der Kratzer ist. Sie addieren sich zu den Normalspannungen, wodurch eine hohe Belastung der Scheibe beim Kratzer entsteht. Dieser Belastung hält die Scheibe oftmals nicht stand, deshalb muss sie beim Kratzer brechen.

Das liegt auch daran, dass Glas ein sehr sprödes Material ist. Deshalb breiten sich Risse und Fehlstellen nicht langsam im Glaskörper aus, sondern die Scheibe springt in Sekundenbruchteilen auseinander. Dies kann vor allem bei Autofahrten sehr gefährlich sein, deshalb sollte man Kratzer im Glas umgehend verfüllen lassen, um eine Kerbwirkung zu vermeiden. Dafür gibt es spezielle Verfahren, die von verschiedenen Werkstätten angeboten werden und meistens auf Harzversiegelung basieren.